Belastungsgrenzen im Arbeitsalltag

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Die Belastbarkeitsgrenze vieler Mitarbeiter ist gesunken: Einige erholen sich nur schrittweise nach einer Covid-19-Erkrankung, anderen wird der Sorgenrucksack so schwer, dass sie innerlich in die Knie gehen – doch es gibt Wege aus dieser Situation.

Was ist eigentlich mit Monika los? Sie bereitet die Behandlung unzureichend vor, vergisst Termine ans Fremdlabor weiterzuleiten oder dringend benötigtes Material zu bestellen. Sie ist unkonzentriert, wirkt gar abwesend. Das Team, beziehungsweise die Praxisinhaber, erkennen Monika kaum wieder. Die sonst so fröhliche, gut organisierte und stets zuverlässige Mitarbeiterin hat sich in den letzten Monaten stark verändert. Es scheint, als ob das Engagement für die Praxis versiegt sei. Die Praxisleitung stellt sich immer öfter die Frage, ob Monika für das Team und die Praxis noch tragbar ist. Denn schließlich können die Kollegen Fehl- oder Minderleistungen nicht auf Dauer tragen.

Um zu verstehen, dass Leistungsabfall nicht unbedingt mit mangelnden Interesse und Engagement verbunden ist, ist es von Bedeutung, die Situation der Mitarbeiter aus der systemischen Perspektive zu betrachten. Zwei Jahre Pandemie und jetzt auch noch ein Krieg in Europa hinterlassen immer häufiger sichtbare Spuren auf der Arbeitsebene.

Lebenswelten und Wechselwirkungen erkennen

Jeder Mensch lebt in unterschiedlichen Lebenswelten, die in Wechselbeziehungen zueinanderstehen. Zum einen gibt es die Lebenswelt „Praxis“, zum anderen die Lebenswelt „Familie“, die Lebenswelt „Partnerschaft“, die Lebenswelt „Mutter oder Vater“, die Lebenswelt „Schwester oder Bruder“, die Lebenswelt „Sportmannschaft“ und so weiter. Diese Lebenswelten werden als Mikrosysteme bezeichnet (Bronnfenbrenner Modell).

Es sind die Lebenswelten, in denen sich der Mensch in seinen unterschiedlichen Rollen bewegt und sich unter Umständen sehr unterschiedlich verhält oder fühlt. Darüber hinaus gibt es das sogenannte Mesosystem. Dieses System zeigt die Wechselbeziehungen und Kommunikationswege zwischen den einzelnen Mikrosystemen auf. Das bedeutet, dass der Einfluss einer Lebenswelt im Positiven wie auch im Negativen auf eine andere Lebenswelt Einfluss nehmen und das Denken und Verhalten verändern kann.

Ein gedankliches Beispiel

Der Personalmangel hat in der Praxis dazu geführt, dass viele Aufgaben unerledigt bleiben. Der Praxisleitung ist bekannt, dass eine Mitarbeiterin demnächst Bauen möchte und eine finanzielle Spritze sehr gelegen käme. Durch Rücksprache mit der Mitarbeiterin und ihrer Familie ist es gelungen, diese statt vier Tage, fünf Tage in der Woche zu beschäftigen: eine positive Wechselwirkung zwischen den Mikrosystemen Familie und Arbeit. Umgekehrt kann ein Pflegefall in der Familie dazu führen, dass die Arbeitskraft oder der Arbeitseinsatz in der Praxis negativ beeinträchtigt, reduziert oder gar aufgegeben wird.

Wenn der Lebensalltag erdrückend wird

Belastende Situationen im Mikrosystem Familie durch Homeschooling, Pflege eines Elternteils oder eines Verwandten, kein physischer Ausgleich durch mangelnde Sportangebote, kein psychischer Ausgleich durch eingeschränkte soziale Kontakte sowie die Sorge über Auswirkungen des aktuell in der Ukraine stattfindenden Krieges auf das eigene Leben, beziehungsweise die eigenen Lebenswelten, führen schnell zu einer Überforderung eines oder mehrerer Mikrosystem, die sich auf die Arbeitswelt auswirken. Die Belastungsgrenzen sind dabei so unterschiedlich wie die Menschen selbst, sodass es kein allgemein gültiges Rezept gibt, um Mitarbeiter oder sich selbst vor überfordernden Situationen zu schützen, insbesondere wenn diese nicht in unserem Einflussbereich liegen (Pandemie, Krieg).

Ein erster Schritt, um Belastungen zu erkennen, ist das Transparentmachen der eigenen Lebenswelten. Die Visualisierung der unterschiedlichen Mikrosysteme hilft dabei, die Komplexität der unterschiedlichen Verpflichtungen darzustellen und Belastungsherde zu identifizieren. Dadurch können Handlungsoptionen erweitert und konkrete Unterstützung sowie Entlastung angeboten werden.

Persönliche Angelegenheit oder Fürsorgepflicht?

Der Arbeitsalltag von Praxisinhabern ist in der Regel ausgefüllt und manchmal scheint für die zusätzlichen Führungsaufgaben, die neben der Behandlungszeit anfallen, keine Zeit. Wie sollen sich Praxisinhaber angesichts knapper zeitlicher Ressourcen da noch um persönliche Belange von Mitarbeitern kümmern? Schließlich handelt es sind in der Regel um erwachsene Menschen, die ihr Leben selbst gestalten. An dieser Stelle sei folgende Frage erlaubt: Wer hat am Ende den größeren Schaden? Die Mitarbeiter oder die Praxisleitung?

Wenn Mitarbeiter stark belastet sind, wirkt sich das täglich auf der Arbeitsebene und die Arbeitsergebnisse sowie das soziale Miteinander aus. In manchen Fällen kommt es bei starker Belastung zum Phänomen der Übertragung. Das bedeutet, dass für die Überlastungssituation ein Substitut gesucht wird. In überfordernden Situationen werden dann Team oder Praxis als Belastungsauslöser deklariert. Ist dies der Fall, fallen Entscheidungen zulasten der Praxis aus Unverständnis der Wechselwirkungen innerhalb der persönlichen Lebenswelten. Es kommt zur Kündigung seitens der Mitarbeiter oder der Praxisleitung. Praxisinhaber wissen, was eine Kündigung für die Praxis heutzutage bedeutet, denn es muss nicht nur nach einem neuen Mitarbeiter gesucht werden, der den Job übernehmen kann, sondern der Mitarbeiter soll zusätzlich ins Team passen und die Praxisphilosophie mittragen.

Die Suche nach passenden Mitarbeitern gestaltet häufig als längerer Prozess, unter dem die verbleibenden Teammitglieder aufgrund der Arbeitsverdichtung leiden. Die Lebenswelt Arbeit wird somit bei den verbleibenden Mitarbeitern verschärft und kann zu weiteren Ausfällen und Abwanderungen führen. Um möglichen Folgen entgegenzuwirken, scheint es sinnvoll, erst keine Belastung aufkommen zu lassen oder dort für Entlastung zu sorgen, wo erste Anzeichen von Belastung auftreten.

Offenheit ist der erste Schritt zur Entlastung

Ein offenes Gespräch hilft, um erste Schritte in Richtung Entlastung zu tätigen. Ein Coach kann in einer solchen Situation Beteiligte oder auch das gesamte Team darin unterstützen, Lösungen zu entwickeln. Denn es ist unverzichtbar, die professionelle Distanz zu belasteten Mitarbeitern oder Teamsituationen einzuhalten.

Größtmögliche Neutralität wird dadurch gewährt, dass der Coach in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu der Praxisleitung und den Gesprächsperson steht. Professionelle Neutralität, Wissen um Mikro-, Meso- und Makrosysteme, systemisches Wissen in Bezug auf das System Praxis sowie die Fähigkeit zur einfühlsamen und wertschätzenden Kommunikation sind Grundvoraussetzungen, um den belasteten Beteiligten zu helfen. Eine „wir bekommen das schon hin“-Mentalität ist zwar gut gemeint, wäre aber vergleichbar mit der Durchführung der professionellen Zahnreinigung durch die Nachbarin, die keine fortgebildete Fachkraft ist.

Lösungen für Erleichterung

Häufig sind Lösungen einfach: Für die einen liegt die Lösung in einer verlängerten Pause, für die anderen darin, dass sie die Möglichkeit erhalten, über ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Welche Lösung die jeweils Passende ist, kann nur das individuelle Gespräch mit der betroffenen Person und dem Team geklärt werden.

Die Praxis und das Team kann Betroffene dadurch unterstützen, Routinearbeiten zur Sicherheit des aus dem Lot geratenen Selbstverständnis in die Arbeitswelt der Kollegin zu bringen sowie das Erschaffen von erheiternden Situationen. Ganz nach dem Motto „Lass uns gemeinsam lachen, denn wer lacht, macht sich keine Sorgen“.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

  • Lebenswelten definieren
  • Wechselwirkungen lokalisieren
  • Entlastungsfelder benennen
  • Optionen der Erleichterung eruieren
  • Handlungsplan erstellten
  • Routineaufgaben erledigen
  • Erheiterungssituationen erschaffen
  • Miteinander lachen

Titelfoto: Michael Rosner-Hyman / unsplash