In sechs Schritten zum modernen Chef

Eine erfolgreiche Teamentwicklung setzt die Bereitschaft zur Selbstreflexion der Führungskraft voraus. Im Unterschied zu anderen Unternehmen besteht in Zahnarztpraxen eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Assistenz auf engem Raum. Konflikte stellen hier hohe Anforderungen an alle Beteiligten.

Anhand von sechs Prinzipien erklärt die Psychologin Dr. Susanne Klein, wie die Zusammenarbeit zwischen Chef und Team heute funktioniert.

1. Augenhöhe

Das wichtigste Prinzip! Vorverurteilungen durch andere, wenn auch nur gedacht, haben Auswirkungen auf das Verhalten eines Menschen (Pygmalion-Effekt). Man spricht auch vom „Kevin-Effekt“.

2. Sinn

Die veränderte Lebens- und Arbeitseinstellung der Generation Y zeigt, dass eine tolle Praxis allein heute nicht mehr reicht. Die Sinnhaftigkeit der Arbeit wird zunehmend hinterfragt.

3. Pull

Klein ist sicher: „Menschen mögen keine Anweisungen.“ Warum soll sich jemand, der sich selbst die Schuhe zubinden kann, führen lassen? Aufgaben, die delegiert werden, machen keinen Spaß. Die Psychologin gibt folgenden Praxistipp: Wenn sich Mitarbeiter anfallende Aufgaben selber aussuchen, kristallisieren sich Fähigkeiten heraus. Die Qualität der Arbeit steigt. Schenkt der Zahnarzt seinem Team Vertrauen, kann er die Assistenz in ihrer Entwicklung fördern und somit zur Personalbindung beitragen.

4. Subsidiarität

Das Prinzip umfasst Eigenverantwortung und Selbstbestimmung. Der psychologische Hintergrund: Menschen finden eigene Ideen am besten. Führungskräfte können diesen gesunden Narzissmus, der vor Depressionen und Angsterkrankungen schützt, nutzen und sich im besten Fall über Höchstleistungen freuen. Zuständigkeiten sollten im Team klar verteilt sein.

5. Nudge

Englisch für „Schubs“. Menschen können in ihrem Verhalten ohne Verbote und Gebote auf vorhersagbare Weise beeinflusst werden. Ein Beispiel ist die erfolgreiche Marketingstrategien vieler Supermärkte: Die teuren Produkte stehen im Sichtfeld. Nudge nutzt unsere Bequemlichkeit. Es soll Spaß machen, sich an Regeln zu halten. Verbote hingegen schaffen Anreize, diese zu brechen.

6. Handeln statt reden!

Vorbilder, ob gut oder schlecht, finden Nachahmer.

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