Delegieren entlastet

Delegieren gehört zum Führungsalltag in der Zahnarztpraxis. Delegation bedeutet nicht den Verlust von Autorität, auch dann nicht, wenn ein anderer die delegierte Aufgabe schneller und besser erledigt als man selbst. Wer nicht delegiert, arbeitet länger, arbeitet mehr. Wer alles selbst macht, macht seine Mitarbeiter unselbstständig.

Qualifizierte Mitarbeiter begrüßen Delegation, denn sie können dabei ihre Fähigkeiten und Kenntnisse einsetzen und sich weiterentwickeln. Sie fühlen sich ernst genommen, wenn sie verantwortlich und in eigener Regie arbeiten. Setzt der Zahnarzt Vertrauen in die Fähigkeiten seines Teams, erlebt es das als Erfolg.

Aufgaben delegieren heißt:

Die Zuständigkeit nach Inhalt, Umfang und Form eindeutig klären, vor allem das „Wie“ der Erledigung völlig dem Mitarbeiter überlassen.

Wie delegiert ein Zahnarzt?

Die meisten Mitarbeiter reagieren positiv auf delegierte Aufgaben. ZFAs kennen ihr Arbeitsgebiet und brauchen nur bei Veränderungen eine Einweisung. Der Zahnarzt erklärt, wie er sich die Erledigung einer Arbeit vorstellt. Er erläutert zunächst nur wichtige Arbeitsschritte, weil zu viele Details verwirren.

Bewährt hat es sich, anfangs einen groben Überblick zu geben. An Fragen und Kommentaren erkennt man, ob ein Mitarbeiter mit der Aufgabe klarkommt. Besonders zu Beginn müssen Mitarbeiter die notwendige Sicherheit und Routine in ihrem Delegationsbereich gewinnen. Umständliches Arbeiten in der Anfangsphase sollte deshalb nicht negativ bewertet werden.

Kompetenzen delegieren heißt:
Vollständige und begründete Informationen geben und alle Durchführungsentscheidungen dem zuständigen Mitarbeiter überlassen.

Kontrolle gehört zum Delegieren

Arbeiten, die nicht kontrolliert werden, haben für Mitarbeiter keine besondere Bedeutung. Auf der anderen Seite sollten qualifizierte Mitarbeiter nicht überkontrolliert werden. Wer in der Einarbeitungsphase ist, begrüßt „Fremdkontrolle“ und schätzt die Rückmeldung vom Zahnarzt oder erfahrenen Kollegen.

Am besten notiert man alle regelmäßigen Tätigkeiten und plant, wer was übernehmen kann. Die Mitarbeiter sollten dabei immer das Gefühl haben, sich bei Problemen an den Chef wenden zu können. Bei Urlaubsabwesenheit und Krankheit sollten Aufgaben nur bis zur Rückkehr an andere Kollegen delegiert werden.

Kritiker des Delegierens sehen eine feste Aufgabenverteilung als starres System. Man sieht nur noch „sein Revier“. Auch in der Gemeinschaftspraxis wird der Zahnarzt mal die Patienten der Kollegen übernehmen, wenn diese im Urlaub sind. Der Kompetenzanspruch „Das ist mein Patient“ lässt sich nicht immer realisieren. Arbeitet der Ehe- oder Lebenspartner des Zahnarztes in der Praxis, spricht man feste Aufgabengebiete ab.

Zuständigkeiten, Entscheidungen und Weisungen delegieren heißt:
Den Mitarbeiter als selbst- und mitverantwortliche Person anerkennen und zur optimalen Leistung motivieren.

 

Delegation kann auch „Jobrotation“ bedeuten

Den systematischen Wechsel von Arbeitsaufgaben nennt man Jobrotation. Wechselintervalle können zwischen täglich und einigen Wochen variieren. Ziel ist es, dass alle Mitarbeiter alles können.

So vermeidet man einseitige Belastungen und Abhängigkeiten. Wer immer nur für die Pflege der Geräte zuständig ist, kann sich nicht entwickeln. Abwechslung wird als Allheilmittel gegen Arbeitsmonotonie bezeichnet. Vielseitige Einsetzbarkeit des Personals durch Delegation verringert die Abhängigkeit von einer Person und Hektik im Notfall.

Entscheidungsbefugnisse delegieren heißt:
Das volle Weisungsrecht innerhalb des delegierten Kompetenzbereichs dem beauftragen Mitarbeiter geben.


Regeln des Delegierens

  1. Einweisung in den Delegationsbereich mit allen Details
  2. Übertragen der Verantwortung
  3. Kontrolle der Arbeitsergebnisse
  4. Delegationsaufgaben nicht häufig ändern
  5. Den Arbeitserfolg loben
  6. Individuelle Fähigkeiten der Mitarbeiter berücksichtigen
  7. Delegation so frühzeitig wie möglich vornehmen
  8. Zeit zur Einarbeitung geben
  9. Auf gerechte Aufgabenverteilung achten

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