Daumen hoch: keine Angst vorm Bewertungsportal

Welche Bedeutung haben Bewertungsportale für dein Praxismarketing? Wie du sie zu deinen Gunsten nutzen kannst, zeigt dieser Beitrag aus der Reihe Marketing.

„Ich lehne Bewertungsportale ab, alles nur Fake“

Diese oder ähnliche Einstellungen zum Thema begegnen mir häufig. Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Stoßrichtungen: Erstens wird beklagt, dass dort Bewertungen vorgenommen werden, obwohl die entsprechenden Patienten gar nicht in der Praxis waren. Sozusagen gefakte Patienten. Die würden sich dann typischerweise negativ über den Behandler äußern, obwohl gar kein Kontakt stattgefunden habe.

Zweitens wird oft angenommen, dass bei vielen Kollegen geradezu Sammlungen von guten Bewertungen vorgenommen wurden, die so gar nicht echt sein könnten. Offensichtlich seien viele oder gar alle Bewertungen „gekauft“, also auch gefakt. In der Konsequenz lehnen viele Zahnärzte Aktivitäten auf Bewertungsportalen ab.

Wie funktionieren die Portale?

Ich möchte zunächst die Funktionsweise der Portale am Beispiel des Marktführers – nennen wir ihn „Das Bewertungsportal“ – vereinfacht erklären.

Das Bewertungsportal arbeitet grundsätzlich personen- und nicht praxisbezogen. Jeder Zahnarzt ist dort gelistet, jedenfalls, wenn die Ärzte selbst auch Praxisinhaber sind. Angestellte Zahnärzte können sich freiwillig listen lassen.

Es werden der Name, die Adresse und die Telefonnummer angezeigt, aber kein Foto und kein Link auf die zugehörige Praxiswebsite. Darüber hinaus gibt es von Ärzten bezahlte Einträge an derselben Stelle (nennen wir sie mal Premium-Einträge), wobei im Unterschied zu den kostenlosen Einträgen im Wesentlichen ein Foto des Behandlers sowie ein Link auf dessen Website angezeigt werden.

Das Ranking ergibt sich aus der Anzahl der Bewertungen und der Gesamtnote. Je mehr Bewertungen beziehungsweise je besser die Note, desto „höher“ rankt der Eintrag. Außerdem besteht die Möglichkeit, Anzeigen zu schalten, die unabhängig vom tatsächlichen Ranking des Bewerteten an prominenter Stelle erscheinen.

Warum soll das jetzt gut sein für Zahnärzte?

Grundsätzlich ist das nur gut für Zahnärzte, die unabhängig davon, ob sie einen Premium-Eintrag haben oder nicht, weit oben ranken, weil sie viele gute Bewertungen haben. Denn sehr viele Patienten suchen ihren neuen Zahnarzt mittels des Bewertungsportals nur ortsbezogen. Und da findet sich schon unter den ersten zehn bis 20 Kollegen einer, der gut zu dem suchenden Patienten passt.

Und wenn ein Patient ganz konkret dich mit deinem Namen sucht, ist das Ranking nur noch sekundär wichtig, aber dann solltest du ebenso viele gute Bewertungen haben, weil sich der Patient daraus folgend für oder gegen dich entscheidet.

Die Wirkung des Rankings kannst du nun noch erhöhen, indem du dich für einen Premium-Eintrag entscheidest. Dein Foto weckt Vertrauen, und der gesamte Auftritt der Praxis kann durch den Weblink schnell erfasst werden. Der Patient hat bei einem Premium-Eintrag weniger „Barrieren“ zu überwinden. In der Folge erreichen mehr Patienten diese Praxis.

Da das Bewertungsportal nun einmal für die Patientenentscheidung von großer Bedeutung ist, solltest du es zu deinen Gunsten nutzen! Denn wehren kannst du dich dagegen sowieso nicht.

Was ist mit den Fakes?

Wenn du beurteilt wirst, obwohl der Patient gar nicht in der Praxis war, kann dir das mit oder ohne Premium-Eintrag passieren. Lass den Eintrag sofort löschen! Das ist ganz einfach durch eine Mail möglich. Das Portal wird dann beim Bewerter Belege für die Anwesenheit bei dir verlangen – bleiben diese aus, bleibt der Eintrag dauerhaft gelöscht.

Wenn Ihre Kollegen viele gute Bewertungen haben, die offensichtlich gefakt sind, ist das grundsätzlich möglich, obwohl das Portal mittels Algorithmen versucht, diese automatisiert herauszufiltern und zu löschen. Nur: Die Fakes werden auch von den Patienten erkannt. Machen Sie sich deshalb nicht allzu viele Sorgen. Für viele User sorgen solche offensichtlichen Fakes für Verärgerung und letztlich für einen schlechten Ruf des Zahnarztes.

Fazit

Wünschenswert wäre natürlich, wenn die Ärzteschaft ein von den Patienten angenommenes und eben nicht kommerzielles Portal an den Start bekommen hätte. Es verursacht verständlicherweise Unbehagen, dass Sie für Bewertungen durch ein Entgelt eine höhere Chance auf die Gewinnung von Neupatienten erhalten. Denn das ist eben doch ein wenig mehr als „normale“ Werbung wie zum Beispiel durch eine Website. Aber ändern können wir es nicht. Als Marketingexperte muss ich Ihnen empfehlen, das Spiel mitzuspielen.

Titelbild: Nghia Le on Unsplash