Praxis im Altbau: Von Denkmalschutz bis Barrierefreiheit

Hohe Decken, großzügig geschnittene Räume und große Fenster: Viele Praxisgründer, die auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten sind, interessieren sich für Altbauten. Kathrin Geilert, Beraterin der Praxisbauspezialisten der Geilert GmbH aus Leisnig gibt Einblicke in die besonderen Herausforderungen, die damit verbunden sind.

dentalMotion: Frau Geilert, was empfehlen Sie Zahnärzten, die mit dem Wunsch nach einer Praxis in einem Altbau zu Ihnen kommen?

Kathrin Geilert: Am wichtigsten ist es, sich nicht von der ersten Begeisterung von den entscheidenden Details ablenken zu lassen. Für viele haben alte, historische Gebäude einen ganz besonderen Charme, aber die funktionalen und technischen Details müssen stimmen. Deshalb muss vor jedem Kauf oder Mietvertrag geklärt werden, ob die eigenen Praxisabläufe zur vorhandenen oder umsetzbaren Raumstruktur passen. Also ob es grundsätzlich möglich ist, die Raumgröße und die Raumanordnung entsprechend den eigenen Bedürfnissen zu realisieren. Erlauben es die vorhandenen Anschlüsse, Abflüsse etc., das Labor und Patienten-WC nebeneinander zu platzieren? Kann der Putzmittelraum funktional integriert werden? Gibt es die Möglichkeit hundertprozentige Barrierefreiheit zu generieren? Lauten die Antworten nein, ist es das falsche Gebäude für den geplanten Zweck.

Kathrin Geilert

Kathrin Geilert führt zusammen mit ihrem Mann, Tischlermeister Jörg Geilert, das Familienunternehmen seit fast 30 Jahren. Seitdem sind sie auf exklusive Praxiseinrichtungen für Ärzte spezialisiert. Kunden, egal ob männlich oder weiblich, schätzen das hochwertige Design, die hohe Kundenorientierung und die unkomplizierte Zusammenarbeit. Geilert ist Expertin, wenn es um Materialien und Design geht. Sie hält Vorträge zum Thema Praxiseinrichtung, unter anderem auf den Werkschautagen der Geilert GmbH.

dM: Wie können Interessenten das überprüfen?

KG: Am besten zieht man einen Fachplaner hinzu, einen der sich mit den Praxisabläufen der jeweiligen Fachrichtung auskennt. Denn jede Zahnarztpraxis hat, je nach Ausrichtung und persönlicher Vorlieben und Arbeitsweise, eigene Procedere und braucht dafür die passenden Räumlichkeiten.

dM: Was sind typische Probleme mit denen Inhaber von Praxisräumen in Altbauten rechnen müssen? Kathrin Geilert: Nehmen wir das Beispiel Denkmalschutz. Hat das ausgewählte Gebäude solche Vorgaben zu erfüllen, müssen zum Beispiel die Außen- und Innentüren erhalten bleiben. Gleichzeitig müssen sie die aktuellen Schallschutzbedingungen für Arztpraxen und Richtlinien zur Wärmedämmung erfüllen. Egal ob Fenster oder Türen, nichts kann einfach aus dem Katalog bestellt werden. Man benötigt Fachleute und einen detaillierten Kostenvoranschlag, um sich am Ende nicht über unerwartete Kosten zu ärgern. Alte Gebäude wurden meist für einen anderen Nutzungszweck als eine Arztpraxis ausgelegt und halten den heutigen, technischen Anforderungen nicht ohne weiteres stand. Fehlt eine kompetente Fachberatung geht schnell etwas schief.

dM: Können Sie dafür Beispiele nennen?

KG: Wenn die Statik zu spät geprüft wird, kann es passieren, dass für neu geschaffene Räume zusätzliche Eisenträger eingebaut werden müssen, um die neue Statik zu gewährleisten. Vor allem wenn der Trockenbau bereits abgeschlossen ist, kann das teuer werden. Außerdem sind ältere Gebäude meist über Treppen begehbar, wenn das nicht bedacht wird, muss man später über eine Hofeinfahrt oder Nebeneingang eine Rampe installieren, um für Rollstuhlfahrer den Zutritt zu ermöglichen. Ebenfalls eine kostspielige Investition, um die sich oft Mieter und Vermieter streiten. Besser ist, das vorher alles möglichst effektiv und baueffizient einzuplanen.

dM: Welche Themen stehen bei der Inneneinrichtung einer Praxis im Altbau im Fokus?

KG: Erstmal geht es darum ein Designkonzept zu entwerfen, das den Charme der Vergangenheit mit der Moderne von heute verbindet, sozusagen eine Symbiose zwischen Historie und neuer Nutzung erstellt. Das ist immer eine Herausforderung, da die Praxisinhaber die Räume ja genau wegen diesem Charme ausgewählt haben. Gleichzeitig wollen sie möglichst moderne, funktionale Praxisabläufe, pflegeleicht und nach allen Vorgaben. Besonders beachten müssen wir als Praxisgestalter in diesem Fall Details der Akustik. Die alte Bauweise war nicht für die heutigen Schallschutzanforderungen von Arztpraxen ausgelegt. Auch ein angepasstes Lichtkonzept, für hohe, offene Räume steht im Mittelpunkt solcher Umbauten.

dM: Führen Sie viele Praxisausbauten in älteren Gebäuden durch?

KG: Ja, wir haben viele Projekte mit diesem Hintergrund und das freut mich immer besonders. Denn ich persönlich mag das Ambiente solcher Häuser, die geschichtsträchtigen Mauern. Es ist eine meiner persönlichen Leidenschaften alt und neu zu kombinieren. Die Bedeutung der alten Nutzung in eine neue, moderne zu überführen, ohne den Charme der Vergangenheit zu verlieren, ist immer wieder eine Herausforderung, aber eine, die unser Team und ich gerne annehmen.

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